Selig die Lachenden?
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wer von euch feiert nicht ab und zu gern,
hat Spaß und genießt die Freuden am Leben? Warum soll man immer nur ernsthaft sich geben?
Der Fasching gibt uns Gelegenheit zu ausgelassener Fröhlichkeit.
Man amüsiert sich auf lustigen Partys, weil sonst halt das Leben recht trocken und hart is.
Man zieht sich dann gerne Kostüme an, damit man einmal ein andrer sein kann
und Seiten seines Wesens zeigen, die sonst eher verborgen bleiben.
Das ist wohl ein spannendes Experiment, das hilft, dass man selber sich besser erkennt.
Doch soll die Verkleidung nicht dazu verleiten, sie anzubehalten für alle Zeiten,
bis ich selbst schon nicht mehr weiß, wer ich bin und wie ich heiß’.
Das was gut tut, ist die Wandlung, die geschieht in dieser Handlung,
einmal ernst sein, einmal spaßen, wie’s grad recht ist, doch mit Maßen.
Immerhin steht auch für unseren Glauben die Wandlung im Zentrum. Das sollt’ uns erlauben,
nicht bloß den stets gleichen Trott zu beklagen, sondern auch einmal was Neues zu wagen.
Ob Jesus gelacht hat, verschweigt uns die Bibel, auch wenn sie in anderen Fällen penibel
berichtet, was er getan und gesagt hat. Ob das denn niemand zu schreiben gewagt hat?
War es den Evangelisten nicht wichtig? Doch daraus zu schließen, es wäre nicht richtig,
das erlaubt nicht der Quellenbefund. Und zudem besteht dazu einfach kein Grund.
Was wir wissen, ist: Jesus hat gerne gefeiert, nicht nur mit Menschen, wo sich jeder drum geiert.
Grad die Außenseiter ließ er erfahren, dass Gott sie lieb hat, so wie sie halt waren. Nun darf man nicht glauben, bei so einem Mahl, dass alle ganz ernst dasitzen im Saal.
Da ging’s auch oft lustig zu, stell ich mir vor, und gewiss hatte Jesus einen feinen Humor.
Was er in die Welt brachte, war völlig neu. Das brachten sehr viele nicht recht auf die Reih’.
Noch keiner davor hat von Gott so gesprochen, hat ihm sich so anvertraut mit Haut und Knochen.
Keiner hat wie er die Menschen geliebt und ihnen gezeigt, dass Gott Sünden vergibt.
Als erstes lud Jesus zur Umkehr ein, zum wirklichen Leben, nicht nur zum Schein.
Er sammelte Jünger, die mit ihm gingen, die alles verließen, woran sie hingen.
Als Jesus auf einem Berg ankam, stellte er gleich das Regierungsprogramm
für das Reich Gottes der Menge vor, die ihm dort lauschte mit offenem Ohr.
Die Menschen, die zuhörten, staunten schon sehr, denn das, was er sagte, war ziemlich konträr
zu dem, was man bisher vermochte zu denken, wie man die Welt gewohnt war zu lenken.
Ganz überraschend, gleich zu Beginn, stellt er die Armen als Glückliche hin.
Gerade all jene, die etwas vermissen werden von Jesus hier selig gepriesen.
Selig sind die, die noch etwas erhoffen, die mit dem Leben eine Rechnung
hab’n offen,wo noch nicht alle Träume erfüllt und noch nicht jeder Hunger gestillt,
die nicht bis zum Überdruss alles schon haben, sondern noch offen sind für Gottes Gaben.
Denen verspricht er die himmlischen Freuden, wenn sie auch hier Verfolgung erleiden.
In seinem Brief an die Korinther zeigt Paulus, was da steckt dahinter:
Nicht die Promis und die Experten, nicht die Studierten und allseits Begehrten, auch nicht die Reichen und die Schönen wählt Gott aus nach seinen Plänen.
Gerade das Törichte hat Gott erwählt, das, was in der Welt nichts zählt.
Wer dumm scheint und bedeutungslos der ist vor dem Herrn ganz groß.
Eine schöne Faschingszeit wünscht Ihnen
Ihr Pater Günter Reitzi OP